Ausländische Verwaltungsräte und deren Unterstellung bei den Sozialversicherungen und der Quellensteuer

27 April 2018

Für Arbeitgeber mit ausländischen Verwaltungsratsmitgliedern entstehen oftmals unterschätzte Pflichten bei den Sozialversicherungen und der Quellensteuer.

Verwaltungsräte und andere in leitender Funktion tätige Personen (z. B. Direktor, Geschäftsführer) einer juristischen Person mit Sitz in der Schweiz gelten aus Sicht der AHV als in der Schweiz erwerbstätig, unabhängig

  • vom Wohnsitz und/oder Ort der Tätigkeit;
  • davon, ob die betreffende Person die ihr zustehenden Befugnisse tatsächlich ausübt oder nicht;
  • davon, ob eine Entschädigung ausgerichtet wird

Unbedeutend ist dabei auch, in welcher Rechtsform das Unternehmen organisiert ist. Bei juristischen Personen ergibt sich die leitende Funktion einer Person zum Beispiel aus ihrer Organstellung (VR, GL usw.) und der damit verbundenen Dispositionsbefugnis. Eine (Erwerbs-)Tätigkeit liegt auch dann vor, wenn die VR-Honorare der betroffenen Person nicht direkt ausbezahlt, sondern an eine ausländische Gesellschaft überwiesen werden. Eine im Ausland ansässige Person gilt aus Sicht der AHV selbst dann als in der Schweiz erwerbstätig, wenn weder ihr noch der ausländischen Gesellschaft eine Entschädigung ausbezahlt wird. Dies gilt weiter auch dann, wenn die juristische Person in der Schweiz weder über Geschäftsräume verfügt noch eigenes Personal beschäftigt (sog. Domizilgesellschaft). Letzteres ist allerdings an das Erfordernis geknüpft, dass eine Domizilgesellschaft nur dann beachtet wird, wenn wesentliche Entscheidungen und zentrale Verwaltungshandlungen an diesem Domizil vorgenommen werden. Ohne dieses (Betriebs-)Erfordernis wäre für jedermann Tür und Tor offen, die Schweizer Sozialversicherungen als «Soziale Sicherheit» auszunützen.

Eine sogenannte Organstellung hängt nicht direkt von einem Eintrag im Handelsregister respektive einer Zeichnungsberechtigung ab. Wer eine geschäftsleitende Befugnis verdeckt ausübt und den Geschäftsgang aktiv beeinflusst, gilt als faktisches Organ, auch wenn dies formell - beispielsweise durch fehlenden Handelsregistereintrag - nicht direkt zu erkennen ist. Ein Mandatsvertrag zwischen einem ausländischen Aktionär und einem im Handelsregister eingetragenen Schweizer Stellvertreter könnte damit durchaus als faktische Organschaft des ausländischen Aktionärs qualifizieren.

Die Schweiz hat sich im Rahmen der bilateralen Verträge mit der EU darauf geeinigt, unter anderem die EU-Verordnung Nr. 883/2004 im Verhältnis mit den EU-Staaten und der Schweiz auch anzuwenden.

  • In Art. 11 Abs. 1 EU Vo 883/2004 ist grundsätzlich festgehalten, dass eine Person jeweils den Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaates unterliegt. Eine Sozialversicherungspflicht in zwei oder mehr Staaten ist somit innerhalb der EU und der Schweiz ausgeschlossen
  • In Art. 13 Abs. 3 EU Vo 883/2004 ist weiter festgehalten, dass eine Person, die gewöhnlich in verschiedenen Mitgliedstaaten eine Beschäftigung und eine selbständige Erwerbstätigkeit ausübt, denjenigen Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats (EU/CH) unterliegt, in dem sie eine Beschäftigung ausübt

Trotz Abkommen ist es vorliegend so, dass jedes Land für sich beispielsweise die Art einer Tätigkeit nach Landesrecht festlegen kann. Die Schweiz hat dabei die Organtätigkeit als Beschäftigung (unselbständige Tätigkeit) definiert, während einzelne EU-Staaten dies als selbständige Tätigkeit qualifizieren. So kann es in der Praxis passieren, dass eine Person, welche im Gebiet der EU ausschliesslich selbständigerwerbend tätig ist, durch die Annahme eines Verwaltungsratsmandates in der Schweiz, von heute auf Morgen für sämtliche Einkünfte (EU und CH) Sozialversicherungsbeiträge bezahlen muss.

Wie sich ein solcher Fall auf die UVG, BVG, KTG und Quellensteuer auswirkt, teilen wir Ihnen gerne bei einer persönlichen Beratung mit.

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