Behandlung von Liquidationsgewinnen bei Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit

29 Juni 2020

Bei der Liquidation von Personenunternehmungen, Einzelunternehmungen sowie Personengesellschaften unterliegt der Liquidationsgewinn grundsätzlich als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit vollumfänglich der Einkommens- bzw. Gewinnsteuer.

Seit 1. Januar 2011 wird eine mildere Besteuerung von Liquidationsgewinne gewährt, sofern die selbständige Erwerbstätigkeit nach Erreichen des 55. Altersjahres oder infolge Invalidität definitiv aufgegeben wird. Gerechtfertigt ist diese Milderung vor allem aus zwei Gründen:

Erstens sind die Liquidationsgewinne durch angehäufte stille Reserven sowie allenfalls Goodwill über etliche Jahre hinweg entstanden und würden im Zeitpunkt der Liquidation zu einer unverhältnismässig hohen steuerlichen Belastung führen. Zweitens bildet der Liquidationsgewinn häufig einen Teil der Altersvorsorge des Unternehmers, ähnlich einem Vorsorgeguthaben der beruflichen Vorsorge, wobei vor allem bei kleineren Unternehmen oft die finanziellen Mittel fehlen, um sich eine angemessene Altersvorsorge aufzubauen. Hinzu kommt, dass oft ein grosser Teil des Vermögens des Unternehmers in das Unternehmen investiert worden ist.

Nebst den eingangs erwähnten Voraussetzungen «Alter» oder «Invalidität» für die mildere Besteuerung muss die selbständige Erwerbstätigkeit definitiv aufgegeben werden. Erlaubt sind aber weiterhin eine geringfügige Selbständigkeit, wobei mit dem Einkommen die BVG-Eintrittsschwelle von Stand 2020 CHF 21'330, nicht überschritten werden darf, sowie die Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstätigkeit.

Der milderen Besteuerung unterliegen alle im Liquidationsjahr und im vorangegangenen Geschäftsjahr realisierten stillen Reserven, nicht jedoch die erzielten ordentlichen Einkünfte aus diesen beiden Jahren.

Personenunternehmer die einer beruflichen Vorsorgeeinrichtung angeschlossen sind, haben die Möglichkeit, einen allfälligen Einkauf in die BVG-Einrichtung im Liquidationsjahr und im Vorjahr vom übrigen Einkommen in Abzug zu bringen. Ein so entstehender Einkaufsbeitrags-Überhang reduziert den Liquidationsgewinn. Der selbständig Erwerbende kann aber auch unabhängig davon, ob er einer beruflichen Vorsorgeeinrichtung angeschlossen ist oder nicht, einen Antrag auf Besteuerung eines fiktiven Einkaufs stellen; bei Anschluss an eine Vorsorgeeinrichtung wird der fiktive Einkauf dem tatsächlichen Einkauf angerechnet.

Der fiktive Einkaufsbeitrag wird wie eine Kapitalleistung der beruflichen Vorsorge zu 1/5 des ordentlichen Tarifs besteuert. Der über den tatsächlichen bzw. fiktiven Einkaufsbetrag hinausgehende Liquidationsgewinn unterliegt auf Bundesebene einem Steuersatz, der einem Fünftel dieses steuerbaren Restbetrags entspricht, mindestens aber zu einem Satz von 2%. Kantonal ist diese Besteuerung weitgehend übernommen worden, einziger Freiraum haben die Kantone in der Festlegung des Satzes für Liquidationsgewinne, die über den Einkauf hinausgehen.

Haben Sie Fragen zur Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit? Wir beraten Sie gerne.

Autor