Steuerliche Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Ihre Steuererklärung 2020

29 Juni 2020

Das Corona Virus hat die Weltwirtschaft seit Beginn dieses Jahres stark verlangsamt, wenn nicht sogar in gewissen Teilen komplett zum Stillstand gebracht. Die aktuelle COVID-19-Pandemie wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus – es sind sowohl Privatpersonen, wie auch Unternehmen stark betroffen. Zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus und der damit einhergehenden wirtschaftlichen Auswirkungen, haben der Bundesrat und die Kantone verschiedenste Massnahmen zur grösstmöglichen Abschwächung des wirtschaftlichen Schadens beschlossen. Viele dieser Beschlüsse und Massnahmen haben auch Auswirkungen auf steuerliche Fragestellungen. Nachfolgend orientieren wir Sie über ausgewählte Themen der COVID-19-Pandemie, welche Auswirkungen auf die Steuererklärung 2020 haben könnten.

Homeoffice

Abzug Arbeitszimmer
Bisher wurde der Abzug in der Steuererklärung für ein Arbeitszimmer nur restriktiv gewährt. Daran wird sich auch durch die aktuelle Situation nichts ändern. Die steuerpflichtige Person muss einerseits einen wesentlichen Teil ihrer beruflichen Tätigkeit zu Hause erledigen und andererseits über einen separaten Raum als Büro verfügen. Die erste Voraussetzung dürfte in aller Regel erfüllt sein. Wird die Arbeit im Homeoffice beispielsweise im Wohnzimmer erledigt, so dürfte jedoch die zweite Voraussetzung unter Umständen nicht erfüllt sein, da es am dazu notwendigen Raum fehlt.

Verpflegungsabzug
Während der Homeoffice Zeit ist der Verpflegungskostenabzug entsprechend zu kürzen.

Fahrkostenabzug
Während der Zeit des Lockdowns haben viele Pendler ihr Generalabonnement (GA) der SBB hinterlegt und somit eine Gutschrift für maximal vier Wochen erhalten. Wurde das GA hinterlegt, muss der entsprechende Abzug um die Dauer der Hinterlegung gekürzt werden. Da der Bundesrat vom Gebrauch des öffentlichen Verkehrs abgeraten hat, darf im Gegenzug eine grosszügige Handhabung des Fahrkostenabzugs erwartet werden.

Tipp: Sammeln und erstellen Sie Belege für Ihre Homeoffice Tage und über Ihre Mobilität und lassen Sie sich diese von Ihrem Arbeitgeber bestätigen.

Corona-Taggelder

Eltern mit Kindern unter 12 Jahren, welche ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen mussten, Selbständigerwerbende, welche aufgrund der Verordnung des Bundesrates ihren Betrieb schliessen mussten und Personen in Quarantäne, haben Anspruch auf Taggelder aus der Erwerbsersatzordnung («Corona-Taggelder»). Diese sind gemäss bundesrätlicher Präzisierung vom 6. April 2020 steuerpflichtig.

Unternehmenssteuern

Liquiditätsmassnahmen
«Liquidität – für Unternehmen so wichtig wie die Luft zum Atmen». Aktuell stehen viele Instrumente zur Verfügung, damit den Unternehmen die Luft zum Atmen nicht ausgeht:

  • Rückforderungen zu hoher Akontozahlungen 2019. Dafür bedarf es als Beweis der Steuererklärung 2019. Diese ist somit zeitnah zu erstellen;
  • Verzugszinsfreies Nichtbezahlen in Rechnung gestellter Steuern (kantonal unterschiedliche Vorgaben; Bund: bei Fälligkeit zwischen 01.03.-31.12.2020);
  • Ausschöpfen der ordentlichen Kreditlimiten;
  • Gesuch für geringere Akontozahlungen 2020. Als Beleg kann beispielsweise ein Zwischenabschluss per 31.03.2020 ausreichen;
  • Beantragung des COVID-19-Kredits des Bundes. Dieser ist auf 10% des Umsatzes begrenzt und mit diversen Einschränkungen bezüglich Mittelverwendung verbunden;
  • Dividendenverzicht;
  • Stundung: Maximale Geltungsdauer 24 Monate. Zudem gilt für Verwaltungsräte und Liquidatoren eine solidarische Haftung für die Steuern des Unternehmens bis zur Höhe des Reinvermögens der Gesellschaft. Dies gilt auch für gestundete Steuern.

Sonderrückstellungen
Die Bildung von handelsrechtskonformen Rückstellungen setzt voraus, dass die künftigen Ergebnisse auf einem in der Vergangenheit liegenden Ereignis beruhen sowie zu einem wahrscheinlichen Mittelabfluss, Minderzufluss oder einer Wertverminderung führen.

Die sich primär stellende Frage ist, ob in Bezug auf das Corona Virus von einem «in der Vergangenheit liegenden Ereignis» gesprochen werden kann. Der Dachverband für Wirtschaftsprüfung, Steuern und Treuhand (EXPERTsuisse) vertritt in seinem Update vom 20. März 2020 die Auffassung, dass es sich beim Corona Virus um ein Ereignis handelt, welches erst nach dem 31. Dezember 2019 eingetreten ist. Demzufolge wäre eine buchhalterische Berücksichtigung in der Jahresrechnung 2019 nicht nötig, hingegen ist im Anhang zur Jahresrechnung auf mögliche Auswirkungen hinzuweisen. Diese Ansicht basiert auf der Feststellung, dass das Corona Virus erst im Jahr 2020 ausserhalb von China erste Auswirkungen gezeigt hat und sich die Lage in der Schweiz seit dem Entscheid des Bundesrates vom 28. Februar 2020, die Situation als besondere Lage einzustufen, markant verschärft hat.  Dessen ungeachtet ist es aufgrund der ausserordentlichen Situation durchaus denkbar, im Rahmen der Möglichkeiten des Obligationenrechts zum Beispiel die Bildung von Rückstellungen als Instrument zur Sicherung des dauernden Gedeihens des Unternehmens zu prüfen (i.S.v. Art. 960a Abs. 4 sowie Art. 960e Abs. 3 Ziff. 4 OR).

Dieser Meinung stehen die Massnahmenpakete der Kantone Zug, Wallis und Aargau entgegen, welche die steuerliche Abzugsfähigkeit zusätzlicher Rückstellungen anerkennen. Dadurch wird zumindest implizit zum Ausdruck gebracht, dass die Frage des Eintrittsdatums nicht unumstritten ist.

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