Haftung der Verwaltungsräte für rückständige AHV-Beiträge

23 September 2020

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Arbeitnehmeranteil an AHV, IV, EO und ALV vom Bruttolohn abzuziehen und zusammen mit seinen Arbeitgeberbeiträgen, den Verwaltungskosten sowie den FAK-Beiträgen an die Ausgleichskasse zu überweisen und mit ihr über Löhne und Beiträge abzurechnen. Die Ausgleichskasse macht nicht bezahlte AHV-Beiträge zunächst auf dem Inkassoweg geltend. Ist der Arbeitgeber nicht mehr zahlungsfähig, tritt an die Stelle der Beitragsforderung eine Schadenersatzforderung. Die Haftung der Organe für ausstehende AHV Beiträge setzt eine grobe Fahrlässigkeit oder Absicht voraus.

Subsidiäre Organhaftung

Die Organe sind gemäss AHVG 52 subsidiär haftbar, wenn der Arbeitgeber nicht mehr zahlungsfähig ist. Unerheblich ist, dass das VR – Mitglied nicht geschäftsführend war, keine Zahlungen ausführen konnte, als Konzernorgan auf Weisung der Konzernleitung handeln musste oder als blosser Strohmann für das verdeckte Aktionariat tätig war.

Die Ausgleichskasse kann nach freier Wahl alle Organmitglieder, bloss einzelne oder nur ein Mitglied in Anspruch nehmen; gegenüber nicht in Anspruch genommenen Personen bleibt der Regress möglich.

Faktische Organe

Nicht im HR eingetragene Personen haften wie formelle Organe, wenn sie das Alltagsgeschäft übersteigende und das Geschäftsergebnis beeinflussende Entscheide selbständig treffen konnten.   

CEO / Geschäftsführer

Ein nicht dem VR angehörender AG-Geschäftsführer mit limitierter Zuständigkeit (sog. CEO) gilt nicht als Organ nach AHVG 52.
Hingegen gilt als solcher der GmbH-Geschäftsführer, welcher somit ebenfalls für ausstehende AHV Beiträge haftet.

Massnahmen der Organe vor einer Überschuldungsanzeige

1. Die (letzten) Lohnzahlungen sollten nur so hoch sein, dass aus dem verfügbaren Betrag nebst den Nettolöhnen auch die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge gleichzeitig bezahlt werden können (für Lohnschulden besteht keine persönliche Haftung der Organe!).

2. AHV-Revision veranlassen. Aufrechnungsbeträge und allfällige Verzugszinsen sofort nachzahlen.

3. Schriftliche AK-Bestätigung verlangen, wonach die Lohnbuchhaltung geprüft, alle Beiträge deklariert und bezahlt sind. Bilanz wenn möglich nach Vorliegen der Bestätigung deponieren.

4. Rücktritt als VR erwägen. Sorgfältige Evaluation des Exits unter Beachtung des Verlusts an Einflussnahme bei Reduktion der Risiken und beim Vorgehen.

Haben Sie weitergehende Fragen? Wir stehen Ihnen für Auskünfte gerne zur Verfügung.

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